Arbeitszeitreduktion – Finanzen

In meinem Einleitungsartikel „Der Weg zur Arbeitszeitreduktion“ habe ich bereits beschrieben, dass hierbei Vorbereitung und Planung sehr wichtig sind. 

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den finanziellen Aspekten, denn eines ist ganz klar: Weniger Arbeitszeit = weniger Gehalt.  

In Kürze und was du mitnehmen kannst

Visualisiere Deine Ziele und mach Dir bewusst, dass Du nicht überall mitmachen musst. Überprüfe alle Deine Ausgaben kritisch darauf, ob sie Dich persönlich weiterbringen. Streiche Unnötiges und mache Dir Budgets, die Du dann im Alltag trackst. Besonders der Prozess der Kostenreduktion kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da Du evtl. auch erst Verträge loswerden musst, die noch an eine längere Laufzeit gebunden sind. Du wirst aber sehen, dass du Schritt für Schritt voran kommst. Und obwohl dieser Spruch schon augelutscht ist, hat er hier dennoch seine Berechtigung: Kleinvieh macht auch Mist! Also beschränke Dich nicht nur auf die großen Kostenpositionen, sondern hinterfrage wirklich alles unabhängig vom Betrag. Sobald Du die Essenz Deiner Ausgaben erreicht hast, kannst Du Dich zum nächsten Schritt der Arbeitszeitreduktion begeben. Aber bitte nicht vorher! Ein minimalistischer Lebensstil ist besonders hilfreich, um Dein Konsumverhalten positiv zu beeinflussen. Hierzu gibt es ein tolles Buch von Selim Tolga „Minimalismus leben für Dummies“, das ich demnächst auch vorstellen werde.

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Weniger Arbeitszeit = Weniger Gehalt: Du hast zwei Möglichkeiten, um Dich auf die neue Situation einzustellen

  1. Einnahmen erhöhen: Mit der freigesetzten Zeit Geld verdienen, als Kompensation für das geringere Gehalt
  2. Ausgaben verringern: Finanzen so gestalten, dass Du mit dem reduzierten Einkommen zurecht kommst

Meine Empfehlung im Rahmen dieses Prozesses: Schnelle Umsetzung! Daher werde ich mich im Folgenden mit der Reduktion der eigenen Ausgaben beschäftigen. Die Erhöhung der Einnahmen ist ein separates Thema, das ich nachgelagert beleuchten möchte.

Bevor es losgeht: ein kleiner Gedankenexkurs

Behalte beim Hinterfragen Deiner bisherigen Ausgaben stets im Hinterkopf warum Du das machst! Was ist Deine Motivation? Was ist Dein Ziel? In diesem Fall ist es ganz klar: Du möchtest deine Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit für das zu haben, was Du gerne tust. Vielleicht wirkt das im ersten Moment wie ein Verzicht auf Dich. In Wirklichkeit ist das jedoch eine bewusste Wahl dessen, was für Dich von Bedeutung ist.
Hilfreich sind hier die Gedanken aus dem Buch „Die Kunst, anders zu leben“: Sobald ich weiß, was ich vom Leben will, sollte ich mich voll und ganz darauf fokussieren. Danach sollten sich demzufolge meine To-Dos, meine Not To-Dos und meine Ausgaben richten.
In anderen Worten: Fokussiere dich auf das, was dir wichtig ist und versuche nicht überall dabei zu sein und jedem Trend zu folgen (Veranstaltungen, Technik, Mode, …).Das ist natürlich leichter gesagt, als getan, daher ist eine mentale Vorbereitung und die innere Einstellung so extrem wichtig. „Der Hamster verlässt das Rad“ beinhaltet eine wichtige Aussage, die Dich hierbei unterstützt: Der Prozess der finanziellen Freiheit beginnt im Kopf, der sogenannten gedanklichen Autarkie. Hier gilt es seine Ziele zu visualisieren und aus innerer Überzeugung zu handeln. Nur dann lassen sich die weiteren Schritte einleiten und vor Allem auch nachhaltig umsetzen. Und kannst Du dich noch an das Mittelmaß erinnern, das laut „Der Elefant, der das Glück vergaß“ viel besser als sein Ruf ist und daher angestrebt werden sollte? Versuche diesen Gedanken ganz bewusst in der Gestaltung deiner Ausgaben einzubringen. Besonders hilfreich bei der positiven Beeinflussung Deines Konsumverhaltens ist übrigens ein minimalistischer Lebensstil. Der Autor von „Weniger bringt mehr“ bringt es auf den Punkt: „Finde heraus, was wesentlich ist, und eliminiere den Rest“. Hierbei ist es essentiell sich durch bewusstes „Nein“ sagen abzugrenzen und zu positionieren.

Die Reduktion der eigenen Ausgaben sollte höher priorisiert werden als die Erhöhung der Einnahmen 

Warum ist die Reduktion der Ausgaben der Erhöhung der Einnahmen vorzuziehen?
Ich habe bereits über Impulse aus dem Buch „Der Hamster verlässt das Rad“ berichtet. Neben dem schönen Zitat der Autoren: „Wer den ganzen Tag arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu verdienen“ ist eine Hauptaussage: Die Reduktion der eigenen Ausgaben stellt einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung finanzieller Freiheit dar. Dadurch erhöht sich das zur Verfügung stehende Geld ohne erst auf eine Gehaltserhöhung angewiesen zu sein. Auch der Autor des Buches „Nine-to-five muss nicht sein!“ verfolgt den Ansatz: Um Dir, ohne auf ein höheres Einkommen angewiesen zu sein, ein Vermögen aufbauen zu können, solltest Du Deinen täglichen Konsum reduzieren und das ersparte Geld investieren. 

Weitere Aspekte sind:

  • Du hast deine Ausgaben weitestgehend in der eigenen Hand und bist somit nicht so stark durch externe Faktoren beeinflusst 
  • Die Reduktion vieler Ausgaben ist direkt umsetzbar
  • Du bist nicht auf höheres Einkommen angewiesen 
  • Du hast keinen Druck neue Einnahmequellen zu generieren 
  • Du bietest Dir selbst und vor Allem Deinem Unterbewusstsein die Freiheit machen zu können, was Dir wichtig ist, ohne den Filter „mache ich damit Geld?“ vorzuschieben

Jetzt geht’s los: In 4 Schritten zur einer Optimierung der eigenen Ausgaben

  1. Liste alle Deine monatlichen Ausgaben in einer Tabelle auf. Ich empfehle hierzu die digitale Form, zum Beispiel in MS Excel, da Dir dies viele Folgeschritte erleichtert. Diese Auflistung ist zwar anfangs etwas mühselig, aber dieser Schritt ist unbedingt erforderlich!

    Tipp: Öffne Dein Online Banking und rufe alle Ausgaben der letzten 12 Monate auf. Vergiss hierbei nicht auch die jährliche Beträge zu berücksichtigen und diese mit 1/12 in deine Auflistung aufzunehmen.
  2. Nun solltest Du die Einträge in Deiner Liste kategorisieren. Falls Du Lust hast, kannst Du hier auch bereits die Methode des „Jar Budgeting“ einbauen, aber das ist noch nicht zwingend erforderlich. Das Wichtigste ist, deine Liste zunächst in zwei Kategorien einzuteilen:
    1. Fixe Ausgaben
    2. Variable Ausgaben
  3. Jetzt musst Du jede einzelne Ausgabe Deiner Liste auf ihre Notwendigkeit überprüfen und kritisch hinterfragen. Das ist vermutlich der wichtigste Schritt, daher beschreibe ich ihn etwas ausführlicher, als die anderen.
    1. Schaue Dir zunächst Deine fixen Ausgaben an, also alles, bei dem Du vermutlich einen Dauerauftrag laufen hast. Du wirst erstaunt sein, wie viel sich hier im Laufe der Zeit ansammelt und nur darauf wartet ausgemistet zu werden. Bei der Optimierung der fixen Ausgaben geht es unter Anderem um : Ungenutzte oder nicht mehrwertbringende Abos kündigen, Versicherungen hinterfragen, Versteckte Kosten finden, etc. Dieser Schritt wird vermutlich die meiste Zeit in Anspruch nehmen, weil es vorkommen kann, dass manche Positionen, die Du gerne streichen oder reduzieren würdest, an eine vertragliche Laufzeit gebunden sind. Markiere in diesem Fall diese Positionen und schreib Dir auf, ab wann Du diese Ausgaben loswerden kannst bzw. was Du tun musst, um diese Position langfristig streichen zu können.
    2. Nun gehe die variablen Ausgaben in Deiner Liste durch. Das sind vermutlich hauptsächlich Ausgaben, die sich rund um Deine Freizeit drehen. Hier Positionen zu streichen ist viel einfacher, als bei den fixen Ausgaben. Um hier optimieren zu können, heisst es: Sich Limits bzw. Budgets für gewisse Aktivitäten setzen. Solche Aktivitäten, die sich gut begrenzen lassen, könnten sein: Extern Essen gehen, Klamotten, spontane Einkäufe, technische Gadgets, Zeitschriften, Apps, etc. Du kannst Dir für jede Kategorie ein monatliches Budget einrichten und achte vor Allem darauf, dass Du in Summe für „Freizeit“ einen gewissen Betrag nicht übersteigst.

      Tipp: Spätestens hier hilft das „Jar Budgeting“, da es eine gute Richtlinie für Deine Limits bietet (55% Notwendiges, 10% Rücklagen, 10% Spaß, 10% Bildung, 10% Investition, 5% Geschenke/Spenden)

      Wichtig: Alle Deine Ausgaben sollten Dich Deinen Zielen näher bringen, also sei hier wirklich kritisch und streiche lieber etwas mehr. Falls Du merkst, dass Du dieses und jenes Abo doch wieder gerne hättest, kannst Du es in wenigen Minuten wieder reaktivieren.
  4. Den vorhergehenden Schritt „Ausgaben überprüfen und kritisch hinterfragen“ habe ich als Wichtigsten bezeichnet. Der nächste Schritt ist jedoch der Schwierigste: Du musst nun an Deinem Plan, den Du Dir mühevoll in Schritt 3 erarbeitet hast, dran bleiben! Erinnerst Du Dich an das Haushaltsbuch aus „Young Money Guide“? Dieses hilft Dir Deine gesetzten Limits in den Alltag zu integrieren und zu tracken.
    Ich möchte Dir hierzu zwei Apps empfehlen, die ich beide getestet habe und die sich beide hervorragend für dein tägliches Budgettracking eignen:
    1. „Spendee“
      Diese App ist besonders geeignet, um Deine gesamten Finanzströme nachzubilden, falls Du das möchtest. Du kannst verschiedene Konten oder Sparbücher anlegen, wiederkehrenden Belastungen definieren, Deine Konten automatisch mit der App verknüpfungen, etc. Diese App ist sehr mächtig und funktioniert sehr gut, aber vermutlich zu overengineered für die meisten Anwendungsfälle.
    2. „Pennies“
      Diese App lässt sich sehr einfach bedienen und sie ist extrem übersichtlich. Du kannst Dir ganz einfach wiederkehrende Budgets setzen (wöchentlich, monatlich, jährlich) und die App errechnet daraus Dein „Limit pro Tag“. Das ist zwar nicht notwendig, jedoch eine schöne Motivation, um noch bewusster über die eigenen Ausgaben nachzudenken. Besonders hilfreich in dieser App ist, dass Du bei den einzelnen Budgets entscheiden kannst, ob Du sie in den nächsten Monat übertragen möchtest oder nicht. Das ist dann sinnvoll, wenn Du beispielsweise auf einen teuren Kurs sparst und somit dein „Bildungsbudget“ über mehrere Monate unberührt lässt. Aber auch falls Du mal ein Budget überschießen solltest, wirst Du durch die Übertragung dieses „Verlustes“ dazu ermutigt im nächsten Monat weniger auszugeben.

      Tipp: Versuche nicht komplett alles in der App abzubilden (wie es beispielsweise Spendee ermöglicht), da es sonst schnell zu umständlich wird und Du dann die Motivation verlierst. Ermittele stattdessen für gewisse Themen Budgets (beispielsweise nach der Jar Budgeting Methode) und tracke dann nur die variablen Ausgaben, die sich jeden Monat unterscheiden. Es bringt Dir absolut keinen Mehrwert, wenn in der App wiederkehrende Ausgaben getrackt werden. Dafür hast Du die Liste aus Schritt 1, die Du immer dann aktualisieren solltest, falls sich an Deinen fixen Ausgaben (oder Einnahmen) was ändert.

Gratuliere! Nun weisst Du wie viel Geld Du im Monat wirklich zum Leben brauchst und Du bist in der Lage Dich von unnötigen Ausgaben abzugrenzen. Auf den Rest kannst Du jetzt guten Gewissens „verzichten“ und es in Deine Freiheit investieren, in dem Du weniger arbeitest.

Nächster Schritt

Der nächste Artikel der Serie „Der Weg zur Arbeitszeitreduktion“ wird das Thema behandeln: Portfolio Optimierung im Job bzw. Fokussierung auf deine Kernaufgaben und den Mehrwert, den du damit für deinen Arbeitgeber generierst.

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Dein Feedback

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Ansonsten hoffe ich, dass dir das Lesen dieses Artikels Spaß gemacht hat und du etwas daraus für dich mitnehmen konntest. Ich freue mich, wenn Du meine weiteren Beiträge verfolgst!

Viele Grüße aus dem Schwarzwald, Janusz